Ein Welsh Springer Spaniel liegt auf einer Wiese

Morbus Addison beim Hund – wenn die Nebenniere zu wenig Hormone produziert

Morbus Addison, medizinisch Hypoadrenokortizismus genannt, ist eine hormonelle Erkrankung des Hundes, bei der die Nebennierenrinde zu wenig lebenswichtige Hormone produziert. Die Erkrankung gilt als vergleichsweise selten, ist aber besonders wichtig, weil ihre Symptome sehr unterschiedlich und zunächst unspezifisch sein können. Manche Hunde zeigen über Wochen oder Monate immer wieder Beschwerden, bevor die richtige Diagnose gestellt wird.

Unbehandelt kann ein Morbus Addison zu einer Addison-Krise führen. Dabei handelt es sich um einen akut lebensbedrohlichen Zustand. Wird die Erkrankung dagegen rechtzeitig erkannt und konsequent behandelt, ist die Prognose in der Regel sehr gut.

Welche Aufgabe haben die Nebennieren?

Die beiden Nebennieren liegen in unmittelbarer Nähe der Nieren. Ihre Rinde produziert verschiedene Hormone. Besonders wichtig sind:

  • Glukokortikoide, insbesondere Cortisol. Sie spielen unter anderem eine zentrale Rolle im Stoffwechsel und bei der Anpassung des Körpers an Belastungs- und Stresssituationen.
  • Mineralokortikoide, insbesondere Aldosteron. Sie regulieren vor allem den Wasser-, Natrium- und Kaliumhaushalt des Körpers.

Beim klassischen primären Hypoadrenokortizismus besteht sowohl ein Mangel an Glukokortikoiden als auch an Mineralokortikoiden. Es gibt allerdings auch Formen, bei denen zunächst vor allem die Cortisolproduktion beeinträchtigt ist und die typischen Elektrolytverschiebungen fehlen. Diese Fälle werden häufig als atypischer Hypoadrenokortizismus bezeichnet.

Welche Symptome verursacht Morbus Addison?

Eine Besonderheit der Erkrankung ist ihr sehr variables Erscheinungsbild. Die Beschwerden können kommen und gehen und sich zwischendurch sogar vollständig zurückbilden.

Mögliche Symptome sind unter anderem:

  • verminderter Appetit
  • Gewichtsverlust
  • Mattigkeit und Leistungsschwäche
  • Erbrechen
  • Durchfall
  • Bauchschmerzen
  • Zittern oder Muskelschwäche
  • vermehrtes Trinken und vermehrter Harnabsatz
  • Austrocknung
  • eine auffallend geringe Belastbarkeit

Manche Hunde werden immer wieder wegen vermeintlicher Magen-Darm-Erkrankungen vorgestellt. Besonders charakteristisch kann sein, dass es dem Hund nach einer unspezifischen Behandlung zunächst besser geht, die Beschwerden aber später erneut auftreten.

Das klinische Erscheinungsbild allein reicht deshalb nicht aus, um einen Morbus Addison sicher zu diagnostizieren.

Was ist eine Addison-Krise?

Bei einem schweren Hormonmangel kann der Kreislauf entgleisen. Ein Hund mit einer Addison-Krise kann hochgradig schwach werden, kollabieren, stark erbrechen oder Durchfall entwickeln und deutlich ausgetrocknet sein. Veränderungen von Natrium und Kalium können zusätzlich die Herz-Kreislauf-Funktion beeinträchtigen.

Ein Kreislaufkollaps, ausgeprägte Schwäche oder eine plötzliche massive Verschlechterung sind daher immer ein Grund für eine sofortige tierärztliche Untersuchung.

Die Addison-Krise ist ein internistischer Notfall und muss unter stationären Bedingungen stabilisiert werden. Die Behandlung umfasst insbesondere eine intravenöse Flüssigkeitstherapie, Glukokortikoide und – abhängig vom individuellen Befund – die gezielte Behandlung von Elektrolyt-, Glukose- und Säure-Basen-Störungen.

Wie wird Morbus Addison diagnostiziert?

Am Anfang stehen eine sorgfältige Anamnese, die klinische Untersuchung und eine Blutuntersuchung.

Beim klassischen Morbus Addison können typische Veränderungen auftreten, insbesondere:

  • erniedrigtes Natrium
  • erhöhtes Kalium
  • Veränderungen des Natrium-Kalium-Verhältnisses
  • erhöhte Nierenwerte infolge von Austrocknung und Kreislaufproblemen
  • teilweise eine Unterzuckerung

Wichtig ist jedoch: Nicht jeder Hund mit Morbus Addison zeigt diese Veränderungen. Besonders bei atypischen Formen können die Elektrolyte zunächst völlig unauffällig sein. Umgekehrt beweist ein niedriges Natrium-Kalium-Verhältnis allein keinen Morbus Addison.

Cortisol und ACTH-Stimulationstest

Die Bestimmung des basalen Cortisols kann als Screening-Untersuchung hilfreich sein. Ein ausreichend hoher Basalcortisolwert macht einen Hypoadrenokortizismus sehr unwahrscheinlich. Ein niedriger Wert beweist die Erkrankung dagegen noch nicht.

Zur Absicherung der Diagnose dient in der Regel der ACTH-Stimulationstest. Dabei wird untersucht, ob die Nebennieren nach Gabe von ACTH ausreichend Cortisol produzieren können. Beim Morbus Addison bleibt diese Reaktion aus oder ist deutlich vermindert.

In besonderen Fällen können weitere Hormonuntersuchungen sinnvoll sein, beispielsweise die Messung des körpereigenen ACTH, um verschiedene Formen des Hypoadrenokortizismus voneinander zu unterscheiden.

Wie wird Morbus Addison behandelt?

Nach überstandener Akutphase ist die Erkrankung in aller Regel gut kontrollierbar.

Da der Körper die fehlenden Hormone nicht mehr ausreichend selbst herstellen kann, müssen sie ersetzt werden. Die Langzeittherapie besteht in der Regel aus:

  • einem Glukokortikoid als Ersatz für das fehlende Cortisol und
  • bei Mineralokortikoidmangel zusätzlich einem Mineralokortikoid.

Als Mineralokortikoid kommen insbesondere Desoxycorticosteronpivalat (DOCP) oder Fludrocortison zum Einsatz. Welche Therapie für einen Patienten geeignet ist und in welcher Dosierung sie benötigt wird, muss individuell anhand des klinischen Verlaufs und regelmäßiger Kontrollen festgelegt werden.

Besonders wichtig ist außerdem die Anpassung der Glukokortikoidversorgung bei außergewöhnlicher Belastung. Operationen, schwere Erkrankungen oder andere ausgeprägte Stresssituationen können einen vorübergehend erhöhten Bedarf verursachen. Besitzer eines Addison-Patienten sollten deshalb genau wissen, wie in solchen Situationen vorzugehen ist.

Regelmäßige Kontrollen gehören zur Therapie

Nach Diagnosestellung sind zunächst engmaschigere Kontrollen notwendig. Beurteilt werden insbesondere:

  • Allgemeinbefinden
  • Gewicht und Appetit
  • Trinkverhalten
  • Erbrechen oder Durchfall
  • Elektrolyte
  • gegebenenfalls Nierenwerte und weitere Laborparameter

Im weiteren Verlauf können die Kontrollabstände individuell angepasst werden.

Wie ist die Prognose?

Nach erfolgreicher Einstellung können die meisten Hunde mit Morbus Addison ein sehr gutes und weitgehend normales Leben führen. Eine aktuelle Langzeituntersuchung bestätigt die insgesamt ausgezeichnete Prognose bei Hunden mit spontanem Hypoadrenokortizismus. Voraussetzung sind eine konsequente lebenslange Therapie und regelmäßige Kontrollen.

Häufige Fragen zu Morbus Addison beim Hund

Ist Morbus Addison heilbar?

In der Regel nicht. Die fehlenden Hormone müssen lebenslang ersetzt werden. Mit einer gut eingestellten Therapie lässt sich die Erkrankung jedoch meist ausgezeichnet kontrollieren.

Kann ein Hund Addison haben, obwohl Natrium und Kalium normal sind?

Ja. Bei bestimmten Formen des Hypoadrenokortizismus fehlen die klassischen Elektrolytveränderungen. Deshalb darf Morbus Addison bei einem passenden klinischen Verdacht nicht allein aufgrund normaler Elektrolyte ausgeschlossen werden.

Ist eine Addison-Krise lebensgefährlich?

Ja. Kreislaufversagen, Austrocknung und schwere Stoffwechsel- und Elektrolytstörungen können lebensbedrohlich werden. Ein kollabierter oder akut hochgradig schwacher Hund benötigt sofort tierärztliche Hilfe.

Literatur

Bugbee A, Rucinsky R, Cazabon S et al. 2023 AAHA Selected Endocrinopathies of Dogs and Cats Guidelines. J Am Anim Hosp Assoc. 2023;59(3):113–135.

Lathan P, Thompson AL. Management of hypoadrenocorticism (Addison’s disease) in dogs. Vet Med (Auckl). 2018;9:1–10.

Sherrod TN et al. Clinical characteristics, treatment, and outcomes of dogs with spontaneous hypoadrenocorticism. J Vet Intern Med. 2025.

Autorin

Dr. Birgit Leopold-Temmler lächelt und hält einen Hund im Arm.

Fachtierärztin für Kleintiere
Fachtierärztin für Innere Medizin der Kleintiere
Zusatzbezeichnung Zahnheilkunde bei Tieren

Zum Profil →

Sie haben Fragen oder
möchten Ihr Tier krankenversichern?

Wir beraten Sie gern in allen Angelegenheiten rund um Ihr Tier und darüber hinaus!

Zu bedenken ist auch, dass unsere 4Beiner je nach Rasse ganz unterschiedliche Veranlagungen und Bedürfnisse haben. Das kann manchmal Fragen aufwerfen. Nutzen Sie unser diesbezügliches fachtierärztliches Know How, wir helfen Ihnen gern.

Tierpraxis im Zooviertel Hannover

Fachpraxis für Tierzahnheilkunde
und Innere Medizin für Kleintiere

    Ich habe die Datenschutzerklärung gelesen und akzeptiert

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Google Maps. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Mehr Informationen
    Telefon
    Praxiszeiten
    Termine nach Vereinbarung.
    Wir sind eine reine Terminpraxis.
    Bitte vereinbaren Sie Ihren Termin vorab telefonisch oder per E-Mail.
    Fell in Orange und Blau.
    Nach oben scrollen