Morbus Addison, medizinisch Hypoadrenokortizismus genannt, ist eine hormonelle Erkrankung des Hundes, bei der die Nebennierenrinde zu wenig lebenswichtige Hormone produziert. Die Erkrankung gilt als vergleichsweise selten, ist aber besonders wichtig, weil ihre Symptome sehr unterschiedlich und zunächst unspezifisch sein können. Manche Hunde zeigen über Wochen oder Monate immer wieder Beschwerden, bevor die richtige Diagnose gestellt wird.
Unbehandelt kann ein Morbus Addison zu einer Addison-Krise führen. Dabei handelt es sich um einen akut lebensbedrohlichen Zustand. Wird die Erkrankung dagegen rechtzeitig erkannt und konsequent behandelt, ist die Prognose in der Regel sehr gut.
Die beiden Nebennieren liegen in unmittelbarer Nähe der Nieren. Ihre Rinde produziert verschiedene Hormone. Besonders wichtig sind:
Beim klassischen primären Hypoadrenokortizismus besteht sowohl ein Mangel an Glukokortikoiden als auch an Mineralokortikoiden. Es gibt allerdings auch Formen, bei denen zunächst vor allem die Cortisolproduktion beeinträchtigt ist und die typischen Elektrolytverschiebungen fehlen. Diese Fälle werden häufig als atypischer Hypoadrenokortizismus bezeichnet.
Eine Besonderheit der Erkrankung ist ihr sehr variables Erscheinungsbild. Die Beschwerden können kommen und gehen und sich zwischendurch sogar vollständig zurückbilden.
Mögliche Symptome sind unter anderem:
Manche Hunde werden immer wieder wegen vermeintlicher Magen-Darm-Erkrankungen vorgestellt. Besonders charakteristisch kann sein, dass es dem Hund nach einer unspezifischen Behandlung zunächst besser geht, die Beschwerden aber später erneut auftreten.
Das klinische Erscheinungsbild allein reicht deshalb nicht aus, um einen Morbus Addison sicher zu diagnostizieren.
Bei einem schweren Hormonmangel kann der Kreislauf entgleisen. Ein Hund mit einer Addison-Krise kann hochgradig schwach werden, kollabieren, stark erbrechen oder Durchfall entwickeln und deutlich ausgetrocknet sein. Veränderungen von Natrium und Kalium können zusätzlich die Herz-Kreislauf-Funktion beeinträchtigen.
Ein Kreislaufkollaps, ausgeprägte Schwäche oder eine plötzliche massive Verschlechterung sind daher immer ein Grund für eine sofortige tierärztliche Untersuchung.
Die Addison-Krise ist ein internistischer Notfall und muss unter stationären Bedingungen stabilisiert werden. Die Behandlung umfasst insbesondere eine intravenöse Flüssigkeitstherapie, Glukokortikoide und – abhängig vom individuellen Befund – die gezielte Behandlung von Elektrolyt-, Glukose- und Säure-Basen-Störungen.
Am Anfang stehen eine sorgfältige Anamnese, die klinische Untersuchung und eine Blutuntersuchung.
Beim klassischen Morbus Addison können typische Veränderungen auftreten, insbesondere:
Wichtig ist jedoch: Nicht jeder Hund mit Morbus Addison zeigt diese Veränderungen. Besonders bei atypischen Formen können die Elektrolyte zunächst völlig unauffällig sein. Umgekehrt beweist ein niedriges Natrium-Kalium-Verhältnis allein keinen Morbus Addison.
Die Bestimmung des basalen Cortisols kann als Screening-Untersuchung hilfreich sein. Ein ausreichend hoher Basalcortisolwert macht einen Hypoadrenokortizismus sehr unwahrscheinlich. Ein niedriger Wert beweist die Erkrankung dagegen noch nicht.
Zur Absicherung der Diagnose dient in der Regel der ACTH-Stimulationstest. Dabei wird untersucht, ob die Nebennieren nach Gabe von ACTH ausreichend Cortisol produzieren können. Beim Morbus Addison bleibt diese Reaktion aus oder ist deutlich vermindert.
In besonderen Fällen können weitere Hormonuntersuchungen sinnvoll sein, beispielsweise die Messung des körpereigenen ACTH, um verschiedene Formen des Hypoadrenokortizismus voneinander zu unterscheiden.
Nach überstandener Akutphase ist die Erkrankung in aller Regel gut kontrollierbar.
Da der Körper die fehlenden Hormone nicht mehr ausreichend selbst herstellen kann, müssen sie ersetzt werden. Die Langzeittherapie besteht in der Regel aus:
Als Mineralokortikoid kommen insbesondere Desoxycorticosteronpivalat (DOCP) oder Fludrocortison zum Einsatz. Welche Therapie für einen Patienten geeignet ist und in welcher Dosierung sie benötigt wird, muss individuell anhand des klinischen Verlaufs und regelmäßiger Kontrollen festgelegt werden.
Besonders wichtig ist außerdem die Anpassung der Glukokortikoidversorgung bei außergewöhnlicher Belastung. Operationen, schwere Erkrankungen oder andere ausgeprägte Stresssituationen können einen vorübergehend erhöhten Bedarf verursachen. Besitzer eines Addison-Patienten sollten deshalb genau wissen, wie in solchen Situationen vorzugehen ist.
Regelmäßige Kontrollen gehören zur Therapie
Nach Diagnosestellung sind zunächst engmaschigere Kontrollen notwendig. Beurteilt werden insbesondere:
Im weiteren Verlauf können die Kontrollabstände individuell angepasst werden.
Nach erfolgreicher Einstellung können die meisten Hunde mit Morbus Addison ein sehr gutes und weitgehend normales Leben führen. Eine aktuelle Langzeituntersuchung bestätigt die insgesamt ausgezeichnete Prognose bei Hunden mit spontanem Hypoadrenokortizismus. Voraussetzung sind eine konsequente lebenslange Therapie und regelmäßige Kontrollen.
Häufige Fragen zu Morbus Addison beim Hund
Ist Morbus Addison heilbar?
In der Regel nicht. Die fehlenden Hormone müssen lebenslang ersetzt werden. Mit einer gut eingestellten Therapie lässt sich die Erkrankung jedoch meist ausgezeichnet kontrollieren.
Kann ein Hund Addison haben, obwohl Natrium und Kalium normal sind?
Ja. Bei bestimmten Formen des Hypoadrenokortizismus fehlen die klassischen Elektrolytveränderungen. Deshalb darf Morbus Addison bei einem passenden klinischen Verdacht nicht allein aufgrund normaler Elektrolyte ausgeschlossen werden.
Ist eine Addison-Krise lebensgefährlich?
Ja. Kreislaufversagen, Austrocknung und schwere Stoffwechsel- und Elektrolytstörungen können lebensbedrohlich werden. Ein kollabierter oder akut hochgradig schwacher Hund benötigt sofort tierärztliche Hilfe.
Literatur
Bugbee A, Rucinsky R, Cazabon S et al. 2023 AAHA Selected Endocrinopathies of Dogs and Cats Guidelines. J Am Anim Hosp Assoc. 2023;59(3):113–135.
Lathan P, Thompson AL. Management of hypoadrenocorticism (Addison’s disease) in dogs. Vet Med (Auckl). 2018;9:1–10.
Sherrod TN et al. Clinical characteristics, treatment, and outcomes of dogs with spontaneous hypoadrenocorticism. J Vet Intern Med. 2025.
Autorin

Fachtierärztin für Kleintiere
Fachtierärztin für Innere Medizin der Kleintiere
Zusatzbezeichnung Zahnheilkunde bei Tieren
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