Arterielle Hypertonie, also ein dauerhaft erhöhter Blutdruck, kommt insbesondere bei älteren Katzen häufiger vor. Sie bleibt zunächst oft unbemerkt, kann aber erhebliche Schäden an verschiedenen Organen verursachen. Besonders gefährdet sind Augen, Nieren, Gehirn und Herz.
Deshalb gehört die Blutdruckmessung bei älteren Katzen und bei bestimmten Grunderkrankungen zu einer sinnvollen internistischen Vorsorge und Verlaufskontrolle.
Bei Katzen tritt Bluthochdruck häufig im Zusammenhang mit einer anderen Erkrankung auf. Besonders wichtig sind:
Daneben gibt es Katzen, bei denen keine eindeutige Grunderkrankung gefunden wird. Man spricht dann von einer idiopathischen Hypertonie.
Gerade bei älteren Katzen können mehrere Erkrankungen gleichzeitig bestehen. Deshalb sollte bei festgestelltem Bluthochdruck nicht lediglich der Blutdruck behandelt, sondern immer auch nach einer möglichen zugrunde liegenden Erkrankung gesucht werden.
Ein dauerhaft erhöhter Blutdruck belastet kleine Blutgefäße und kann dadurch sogenannte Endorganschäden verursachen.
Besonders betroffen sein können:
Augen
Die Netzhaut ist sehr empfindlich gegenüber hohem Blutdruck. Mögliche Folgen sind:
Eine Katze, die plötzlich gegen Gegenstände läuft, sich ungewöhnlich vorsichtig bewegt oder deren Pupillen auffallend weit sind, sollte deshalb umgehend tierärztlich untersucht werden.
Leider wird bei manchen Katzen die Hypertonie tatsächlich erst durch eine plötzlich eingetretene Blindheit entdeckt.
Gehirn und Nervensystem
Auch das zentrale Nervensystem kann geschädigt werden. Möglich sind beispielsweise:
Nieren
Bluthochdruck und chronische Nierenerkrankungen können sich gegenseitig beeinflussen. Eine Hypertonie kann bereits bestehende Nierenschäden verschärfen, während eine Nierenerkrankung wiederum die Entstehung eines erhöhten Blutdrucks begünstigen kann.
Herz
Dauerhaft hoher Blutdruck erhöht die Belastung des Herz-Kreislauf-Systems und kann unter anderem Veränderungen des Herzmuskels begünstigen.
Häufig zunächst überhaupt nicht.
Genau das macht die Erkrankung problematisch. Katzen können über längere Zeit einen deutlich erhöhten Blutdruck haben, ohne dass ihre Besitzer eine Veränderung bemerken.
Erst wenn Organschäden auftreten, werden die Symptome offensichtlich.
Eine Blutdruckmessung sollte deshalb nicht erst erfolgen, wenn eine Katze bereits sehbehindert oder neurologisch auffällig ist. Besonders bei älteren Katzen sowie bei Nierenerkrankungen oder Hyperthyreose ist eine regelmäßige Kontrolle sinnvoll.
Der Blutdruck wird bei Katzen in der Regel nicht invasiv gemessen. Zum Einsatz kommen vor allem Doppler- und verschiedene oszillometrische Verfahren.
Dabei gibt es einen wichtigen Unterschied zur Blutdruckmessung beim Menschen: Katzen reagieren häufig empfindlich auf eine fremde Umgebung, ungewohnte Geräusche oder Fixation. Stress kann den Blutdruck vorübergehend erhöhen – eine sogenannte situative oder „Weißkittel“-Hypertonie.
Deshalb sind standardisierte Bedingungen wichtig:
Eine einzelne auffällige Messung ohne klinische Hinweise auf bereits bestehende Endorganschäden reicht deshalb nicht immer aus, um eine dauerhafte Hypertonie zu diagnostizieren.
Auch das verwendete Messsystem spielt eine Rolle: Eine aktuelle Untersuchung zeigte, dass verschiedene nicht invasive Messverfahren bei Katzen nicht ohne Weiteres gegeneinander austauschbar sind. Verlaufskontrollen sollten deshalb möglichst unter vergleichbaren Bedingungen und mit demselben Verfahren erfolgen.
Bei der Beurteilung steht insbesondere der systolische Blutdruck im Vordergrund.
Nach dem ACVIM-Konsensus werden folgende Bereiche hinsichtlich des Risikos für Endorganschäden unterschieden:
Diese Werte dürfen allerdings nicht isoliert betrachtet werden. Entscheidend sind immer auch die Messbedingungen, wiederholte Messungen, mögliche Grunderkrankungen und bereits erkennbare Organschäden.
Wird eine Hypertonie festgestellt, sollte nach möglichen Ursachen und bereits entstandenen Folgen gesucht werden.
Abhängig vom Patienten gehören dazu beispielsweise:
Welche Untersuchungen erforderlich sind, richtet sich nach Alter, Vorgeschichte und Begleiterkrankungen der jeweiligen Katze.
Ziel der Behandlung ist es, den Blutdruck so weit zu senken, dass das Risiko weiterer Organschäden deutlich reduziert wird.
Als wichtiges blutdrucksenkendes Medikament wird bei Katzen insbesondere der Calciumkanalblocker Amlodipin eingesetzt. Seine Wirksamkeit zur Senkung des systolischen Blutdrucks bei hypertensiven Katzen ist gut dokumentiert.
Abhängig von Ursache, Begleiterkrankungen und Ansprechen können weitere Medikamente oder Behandlungskonzepte notwendig sein.
Ebenso wichtig ist die Therapie der zugrunde liegenden Erkrankung, beispielsweise einer Hyperthyreose oder chronischen Nierenerkrankung.
Nach Beginn oder Veränderung einer antihypertensiven Therapie muss der Blutdruck kontrolliert werden. Auch bei stabil eingestellten Patienten bleiben regelmäßige Verlaufskontrollen notwendig.
Das hängt davon ab, welche Schäden am Auge entstanden sind und wie schnell die Behandlung beginnt.
Bei plötzlich aufgetretener Blindheit zählt deshalb Zeit: Eine Katze mit akutem Sehverlust sollte noch am selben Tag tierärztlich untersucht werden.
Je länger eine Netzhautablösung oder eine schwere Schädigung besteht, desto geringer kann die Chance auf Wiederherstellung des Sehvermögens sein.
Welche Katzen sollten regelmäßig Blutdruck gemessen bekommen?
Besonders sinnvoll ist die Messung bei älteren Katzen und bei Patienten mit Erkrankungen, die mit Hypertonie verbunden sein können – insbesondere chronischen Nierenerkrankungen und Hyperthyreose.
Kann eine Katze hohen Blutdruck haben, obwohl sie völlig gesund wirkt?
Ja. Hypertonie kann lange ohne erkennbare Symptome bestehen. Deshalb ist die Messung gerade bei Risikopatienten wichtig.
Kann Stress beim Tierarzt den Blutdruck erhöhen?
Ja. Eine situative Hypertonie ist bei Katzen bekannt. Deshalb sind eine ruhige Umgebung, Akklimatisationszeit und wiederholte, standardisierte Messungen wichtig.
Ist Bluthochdruck bei Katzen behandelbar?
Ja. Eine feline Hypertonie lässt sich in den meisten Fällen medikamentös gut kontrollieren. Entscheidend sind die richtige Einstellung, die Behandlung möglicher Grunderkrankungen und regelmäßige Blutdruckkontrollen.
Literatur
Acierno MJ, Brown S, Coleman AE et al. ACVIM consensus statement: Guidelines for the identification, evaluation, and management of systemic hypertension in dogs and cats. J Vet Intern Med. 2018;32(6):1803–1822.
Taylor SS, Sparkes AH, Briscoe K et al. ISFM Consensus Guidelines on the Diagnosis and Management of Hypertension in Cats. J Feline Med Surg. 2017;19(3):288–303.
Knies M et al. Comparison of Doppler ultrasonic sphygmomanometry and oscillometric devices for non-invasive blood pressure measurement in conscious cats. J Feline Med Surg. 2024.
Autorin

Fachtierärztin für Kleintiere
Fachtierärztin für Innere Medizin der Kleintiere
Zusatzbezeichnung Zahnheilkunde bei Tieren
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